Spring voraus, die Angst kommt nach

Angst?! Kenn ich nicht!

Höher, schneller und weiter! Das ist die Devise. Es gibt nur ein Gas – Vollgas! Immer voran, immer weiter.
Dachstein Skywalk – einfach mal auf der Glasplatte springen und dann seh ich schon ob die Glasplatte hält oder nicht. Ich bin eh der Erste der es mitbekommt. 1.000 Meter Luft unter dem Arsch spielen da auch keine Rolle….

Gewisse Entscheidungen treffen ohne länger als 3 Sekunden darüber nachzudenken – kein Problem. Jetzt ist die Entscheidung mal getroffen und wenn es nicht passt kommt die Nächste…
Vor Jahren, beim Klettern, ohne Seil und Rückhalt – kein Problem. Hab mir den Klettergrud umgeschnallt, damit im Falle eines Falles, die Bergrettung nur mehr Einklicken muss und nicht zu viel Arbeit mit mir hat. Hauptsache rauf, runter werde ich schon irgendwie kommen…

Geschäftsentscheidungen treffen mit Plus am Konto und auf Vollgas ein Minus drauf, dass die Hälfte genug ist, auch kein Thema…

Nur mal ein paar Beispiele…. 😉

In allen Fällen kommt am Anfang immer eine Frage: „Was ist das Schlimmste, was passieren kann?“ Die Antwort ist immer, und zwar immer, die Selbe: „NICHTS!“
Viele, sehr viele Dinge in meinem Leben sind passiert bzw. habe ich hervorgerufen. Alle mussten irgendwie von irgendjemandem entschieden werden.
Und wenn nicht, dann war die Angst vor irgendwas dabei.

Jeder hat vor irgend etwas oder jemanden Angst. Mal mehr und mal weniger. Mal kleine Sachen, mal Große. Der Eine hat Angst vor Spinnen, der Andere eine Million Euro einzusetzen. Der Eine hat Angst eine Familie zu gründen, der Andere sie zu verlieren. Gründe für Ängste und Nichts tun gibt es deutlich mehr, als Gründe ETWAS zu tun.

Es gibt allerdings ein oder zwei (oder mehr) Dinge, die mich im Leben aufhalten. Und alles ist auf die Vergangenheit und weites auf meine Angst zurückzuführen. Es gibt noch einige Ziele, die ich in meinem Leben erreichen möchte und vor allem auch werde. Dabei werde ich allerdings aufgehalten. Von wem? Ganz einfach! Von mir und meiner Angst!

Spring voraus, die Angst kommt nach
Spring voraus, die Angst kommt nach

Meine Angst

Als Kind, bis zu meiner Jugendzeit, war ich eine absolute Wasserratte. Jede Sekunde wurde irgendwie am und vor allem im Wasser verbracht. Schwimmen und tauchen wie ein Delphin. Irgendwann und irgendwie wurde mir das abgewöhnt. Falsch! Irgendwann und irgendwie habe ich es mir abgewöhnen lassen. Ich konnte nicht mehr ins Wasser. Wenn ich im Schwimmbad stehen konnte, dann vielleicht noch bis zum Hals. Kopf runter ging gar nicht mehr. Ans Meer gar nicht mal denken. Dann kam es sogar soweit, dass ich nur noch die Knöchel ins Wasser halten konnte. Nach der Knie OP war sowieso klar, ich vertrage einfach das kalte Wasser nicht und somit gehe ich einfach nicht weiter rein. Maximal bis zum Schienbein.

Im laufe der Jahre war es dann ganz normal für mich. Alle gingen ins Wasser und ich sitze gemütlich daneben oder an der Schirmbar. Therme ging noch – maximaler Wasserstand war bis zum Hals und die Zehenspitzen mussten natürlich den Boden berühren.

Heute war es soweit. Höchste Zeit sich meiner Angst zu stellen! Allerhöchste Zeit!

Ich stand heute einige Meter entfernt vom Meer. Den ganzen Tag blickte ich schon darauf. Es zwang mich rein. Ein Gefühl, welches von ganz innen kam. Ich stand so da und sagte mir laut „Was kann schon passieren?“ Klare Antwort „NICHTS!“. Ich ging zum Wasser und hielt die Füße rein. Die erste Welle kam und das Wasser reichte bis über das Knie. Die Luft blieb weg und die Welt war aus.

Nichts, absolut nichts um mich herum spielte noch eine Rolle. Die Welt war weg – nur das Meer und ich. Die nächste Welle kam – und obwohl es mir unmöglich erschien – bekam ich noch weniger Luft. Ich ringte nach Atem und war zugleich auch Bewegungsunfähig.
Schnellstens musste ich raus aus dem Wasser! Dringend! Atemnot! Panik! Sofort wieder neben dem Wasser hingesetzt und mal versucht irgendwie Luft in die Lungen zu bringen. Was nun?

Nein! Ganz klares Nein! Das kann es doch nicht sein!

Spring voraus, die Angst kommt nach!

Irgendwo habe ich diesen Spruch mal aufgefasst und sofort redete ich ihn mir ein. Immer und immer wieder. Wie ein Mantra sagte ich mir den Spruch immer wieder vor. „Spring voraus, die Angst kommt nach!“

Spring voraus, die Angst kommt nach
Spring voraus, die Angst kommt nach

Spring!

Nun war es soweit. Aufstehen. Füße ins Wasser, rein bis über die Knie. Rein ins Wasser! Die erste Welle kam! Panik? Nein! Ganz klarer Fokus nach vorne! Mit einem Sprung warf ich mich ins Meer. Alle Umgebungsgeräusche waren weg und die Augen sahen nur einen verschwommenen Meeresgrund. Geschafft! Und jetzt nach oben. An die Oberfläche – und – durchatem…

Ich bin soweit ins Meer gesprungen und eingetaucht, dass das Ufer nun doch recht weit weg war. Egal. Schwimmen – und zwar vollgas. Die Leute am Ufer schauten etwas schräg drein – hab wohl doch ein bisschen lauter im Wasser vor Freude gehäult und gejubelt als ich es selbst wahrgenommen habe… 😉 Das Gefühl war einfach nur befreiend. So erlösend, eine jahrelange Einschränkung losgeworden zu sein.

Nach ein paar Minuten ging ich wieder an Land und spürte auf einmal meinen Körper wieder. Jede Zelle meines Körpers jubelte, das Herz raste und das Atmen war fast unmöglich. Keuchen, schnauben und durchatem zugleich…

Erstmal hinsetzen, das war ein ganz schöner Schock. Ja, schön und Schock. Der volle Wahnsinn – für mich.

Klar, jeder geht halt einfach ins Meer baden – für mich das absolute Tageshighlight! Und wieder ein weiterer Punkt auf meiner Löffelliste abgehakt.

Das ist das Foto, als ich aus dem Wasser raus kam – vollkommen fertig und befreit zugleich.

Spring voraus, die Angst kommt nach
Spring voraus, die Angst kommt nach

Egal welche Angst oder Befürchtung du hast! Es gibt absolut keinen Grund dazu! Nichts tun ist schlimm genug!
Und noch etwas. Egal ob es für jemanden Anderen noch so lächerlich sein mag. Für dich ist es wichtig!!!

markusflicker

4 thoughts on “Spring voraus, die Angst kommt nach

      1. Seit Tagen spukt mir ein Blogbeitrag im Kopf herum, eben zu diesem Thema – jetzt! passts. Finde ich gut, dass es sehr wohl noch Menschen gibt, die über sich selbst und sein Tun nachdenken und sich extra Zeit dafür nehmen. In meinem Umfeld nicken zwar alle, kenne aber nicht sehr viele Menschen, die das auch wirklich konkret tun. Daumen hoch zu dir! Einer der Wenigen! Jo sry, find ich einfach mega!!

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